Eine ganze Familie wird eines Nachts ermordet aufgefunden. Natürlich fangen sofort die Gerüchte in dem kleinen Dorf an, aber auch schon vor dem Mord wurde über die Familie viel geredet. Die 1962 geborene Autorin beschreibt gekonnt die Figur der Barbara und ihre Liebschaften zu unterschiedlichen Männern. Der Leser stellt sich die Frage, wer eigentlich der Vater von ihren beiden Kindern ist. Und wieso auch „die kleinen Würmer“ nicht vom Mörder verschont wurden. Die Autorin, die als Mutter und Hausfrau in Regensburg lebt, schreibt ihren Erstlingsroman basierend auf einer wahren Geschichte aus dem Jahre 1922. Sie benutzt gekonnt den Wechsel zwischen den Erzählperspektiven, wodurch dem Leser nicht immer klar ist, um welche Person es sich gerade handelt. Die Achronologie unterstützt diese Verwirrung. Jedoch ergänzt sich beides zu einer richtigen Krimistimmung.

Ähnlich wie bei Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ fehlen immer ein paar Mosaiksteine um den Mord aufzuklären. Die Sprache des „Tannöd“- Romans ist jedoch leichter zu verstehen, auch wenn manche bayrischen Wörter das Lesen erschweren.

Man begleitet hautnah, was der Mörder denkt, was er tut und was seine Pläne für die Zukunft sind. Dennoch ist man immer eine Spur davon entfernt, ihn als Mörder zu entlarven. Gerade diese Vorgehensweise macht den Roman spannend und mitreißend.

Diesem preisgekrönten Roman folgt ein weiterer Krimi: „Kalteis“. Zudem steht im kommenden Jahr eine Verfilmung des ersten Romans bevor. Somit werden wir glücklicherweise noch weiteren Krimistoff von Maria Schenkel bekommen.

Andrea Maria Schenkel: „Tannöd“.

Edition Nautilus, Hamburg 2006. 125 S., 12,90€

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